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Das Ompert in der Kriegs- Nachkriegszeit.


von Hans-Peter Hommes

 

       



 

 

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 Omperter

Erinnerungen

Die 50er + 60er Jahre

 

 

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Omperter
Erinnerungen 
Kuleopa, Sandgrube, Bier

 
- 2  -
Omperter Erinnerungen 
 Hein, Milch, Bulldog

 

- 3 -
Omperter
Erinnerungen 
 Kriegs-Nachkriegszeit, Die Bombe im Ompert

 

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 Als Kriegsflüchtling  Erinnerungen

aus Klenz ins Ompert 

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  Die Eisenbahn im Ummer Erinnerungen

 

         

 

                 

                          
Die Erinnerung bringt mir zurück,
was ich längst verloren geglaubt.
Ich schwelge in meinen Erinnerungen,
träume mich zurück in schöne Zeiten,
finde viele abhanden gekommene Kostbarkeiten.

Und die schlechten Zeiten?
Da habe ich tatsächlich Erinnerungslücken.

                                 von Annegret Kronenberg                

Als noch Krieg in Dunkeldeutschland war, gab es mich noch nicht.
Man erklärte mir als Kind, dass ich zu dieser Zeit noch im Ententeich war. Aufklärung im heutigen Sinn gab es in den 50ern nicht.
Als ich zehn war spielt ich mit anderen Kindern am Kreuz. Mein Vater kam mit seinem Mofa von der Arbeit, hielt an und schwatzte mit uns. Togrund Karl kam dazu und schüttelte meinem Vater die Hand und sagte: "Die haben gerade angerufen, du hast eine Tochter". Mein Vater drehte sich zu mir um und meinte, du hast jetzt eine Schwester.
Aha, dachte ich und spielte weiter Fußball.

Bei Togrund war das einzige Telefon zu dieser Zeit. Für 30 Pfennig konnte jeder dort auch mal was wichtiges telefonieren. Onkel Anton war irgendwas bei der Feuerwehr und hatte die Sirene auf dem Dach des Hauses und hatte deshalb früh ein Telefon erhalten wohl um im Krieg die Sirene rechtzeitig zu bedienen.

Politik war nie ein Thema. Ja, die Alten sagten schon mal
, wenn ein schreckliches Verbrechen geschehen war und in der Zeitung darüber berichtet wurde: 'Das gab es beim Adolf nicht!' Ob sie damit meinten, dass darüber damals nicht berichtet wurde oder dass es solche Verbrechen nicht gegeben hat, ließen sie offen. Auch so ein Ausspruch, der hin und wieder angebracht wurde: 'Der handelt wie ein Jud!'
Ob es wirklich in das braune System involvierte Leute im Ompert gab, ist mir soweit nie bekannt geworden. Aber ich war damals noch ein Kind und habe nur das mitbekommen
, was für Kinderohren bestimmt war.
Über einen in den 60er Jahren Zugezogenen munkelte man, dass der bei der SS gewesen sei. Aber der war sowieso ein Miesepeter und hatte zu niemande
m wirklich Kontakt.

Mein Vater war zu jung und wurde erst 1944 ein einfacher Soldat.
Mein Opa war Handwerker und wurde als 50 Jähriger noch zur Küstenartillerie als Obergefreiter eingezogen.

Die Omperter hatten den Krieg, soweit es ihre Häuser und ihr Eigentum betraf, gut überstanden. In vielen Familien waren jedoch Opfer zu beklagen.
Sichtbar war dies für mich als Kind nur an den Verletzungen
, die einige ehemalige Soldaten hatten.
Steffens Hans und mein Vater hatten ein Bein, Steffen-Mies einen Arm verloren.
Ich hab
e als Kind meinen Vater ernsthaft gefragt, wieso er auf sein Bein nicht besser aufpassen konnte. So ein Bein verliert man doch nicht einfach.
Aber das unabänderliche Schicksal wurde sprachlich beschönigend umschrieben.
Der Soldat fiel oder verlor etwas. Als habe er dies durch Unachtsamkeit selbst verschuldet
, ohne Fremdeinwirkung oder einen ihn zwingenden Befehl.

Auf den
an meine Oma adressierten Briefen stand oft noch als Anschrift:
An die Kriegerwitwe Peter Hommes Viersen Omperter Weg 36 (
heute 102). Als wenn Oma Katharina nur ein Anhängsel eines gefallenen Kriegers war.

Mein Opa, Peter Hommes, hatte meinen Vater Hans, der 1944 gerade mal 19 Jahre alt war, nach Mönchengladbach zum Zug gebracht. Mein Vater zog in den Krieg.
Nun ja
, er musste ziehen. Kurz bevor der Zug abfahren sollte, gab es einen Bombenangriff. Seine Einheit flüchtete in den Bahnhofsbunker.
Mein Opa und Vaters Schwester Anna waren aber bereits mit der Straßenbahn auf dem Heimweg
, und die Bomben trafen beide.
Mein Großvater Peter Hommes war sofort tot, Vaters Schwester Anna wurde schwer verletzt.
Mein Vater erhielt noch in Mönchengladbach drei Tage Sonderurlaub zum Begräbnis seines Vaters. Dann durfte auch er am nicht zu erreichenden Endsieg mitarbeiten.


Hans ereilte es dann in Frauenburg
- heute Fromborg in Polen, direkt am Frischen Haff - dort traf ihn dann im Februar 1945 eine Kugel von hinten durchs Knie.
Die Wehrmacht war in Auflösung
, und auf dem Rückzug mit tausenden Flüchtlingen überquerten sie das in diesem Winter zugefrorene Frische Haff, um den sie einkesselnden Russen zu entkommen.
Mein Vater wurde von seine
n Kameraden mitgeschleppt. Sie erreichten ein Frachtschiff, das nur Verwundete aufnahm und die Ostsee nach Kopenhagen überquerte.
Nach acht Tagen erhielt Hans dort dann eine erste ärztliche Versorgung. Er wurde zwei Tage später in ein Hospital nach Viborg in der Mitte Dänemarks verlegt.
Der Wundbrand war jedoch bereits soweit fortgeschritten, das nur noch eine Amputation möglich war.
Ich kenne nur wenige Sätze
, die mein Vater über seine Kriegszeit sagte. Er sprach nicht über den Krieg. Und auch als mir meine Mutter, sie war da bereits über 60, erzählte, was sie als junges Mädchen unter den Russen in ihrem Heimatort Klenz in Mecklenburg zu erleiden hatte und ich sie fragte, ob sie je mit Vater darüber gesprochen habe, sagte sie nur kurz und verärgert: 'Wieso sollte ich ihm das erzählen? Er hat mir auch nie erzählt, wo und wie er sein Bein verloren hat.'
Bewältigung des Entsetzlichen durch Schweigen.

Einen "Bombenangriff" hat es dann auf das Ompert gegeben.
Also so
ein richtiger Angriff war das nicht, sondern der Notabwurf einer Bombe aus einem englischen Aufklärungsflugzeug.
Es war um 1940 und die Engländer flogen Luftaufklärung über dem Rheinland.
Das gefiel Görings Luftwaffe natürlich nicht
, sie schickten Jagdflugzeuge hoch und versuchten, den Aufklärer abzuschießen.
Damit dieser leichter und somit schneller wurde
, warf er die mitgeführten Bombe einfach ab.
Wo fiel sie hin? Natürlich in unseren Hühnerstall.
Sie durchschlug das Dach, verschreckte die Hühner so, dass sie tagelang keine Eier legten und verschwand, nur ein kreisrundes Loch im Boden hinterlassend, im sandigen Omperter Erdreich.
Explodiert ist die Bombe allerdings nicht. Vermutlich war sie auch nicht Scharf gestellt abgeworfen worden. 10 bis 20% aller Bomben
, die abgeworfen wurden, sind nicht explodiert, und aus irgend welchen Gründen gehörte auch diese dazu.

Das Ompert hatte seinen ersten Blindgänger bereits zu Beginn des Krieges.
Dieser steckte in dem an d
ie Scheune hinter dem Wegkreuz angebauten Hühnerstall, der auf der anderen Seite an ein Haus anschloss.
Das Haus gehörte den alten Frauen Greta und Gertrud Nelsen und war nicht im besten Zustand. Der Fachwerkgiebel war an vielen Stellen morsch und mit bröckelndem Putz notdürftig repariert.
Die amtlichen Würdenträger kamen sofort angeeilt und betrachteten mit den dazu gerufenen Fachleuten das Loch im Boden.
Alle waren sich einig, dass 
sich am Ende dieses Loches etwas Gefährliches im Boden befand, aber niemand wusste, wie die Bombe zu entschärfen wäre. Es fehlte die Erfahrung mit Blindgängern. Noch fehlte diese, und dadurch wurden die Nelsen Frauen ungewollt zu Kriegsgewinnlern.

Man entschloss sich, eine Entschärfung nicht zu riskieren.
Wir müssen sprengen
, war die Lösungsvorgabe.
Das wäre sicherer. Also wurde alles ausreichend mit Sandsäcken und Stroh abgesichert und eine kleine Sprengladung gezündet
, die die Bombe zur Detonation brachte.

Leider wurden dabei der Hühnerstall, ein Schuppen und der Fachwerkgiebel des Hauses schwer beschädigt. Aber da ließen sich die Braunen nicht lumpen, und in Windeseile wurde alles auf Kosten der Stadt viel besser wieder aufgebaut.
Ich weiß nicht
, wie viele Häuser in Viersen durch Bomben zerstört wurden.
Aber ich bin mir fast sicher, dass unser Haus das einzige ist
, das auf Kosten der Stadt sofort und vollständig nach einem Bombenschaden instand gesetzt wurde.

Westlich des Bebericher Weges, oben auf der Höhe zu den Noverhöfen hin, soll dann noch ein englisches Bomberflugzeug 1944 notgelandet sein. Da dort viel Platz zu Verfügung stand, war kein Schaden bei Besatzung, Land und Leuten zu beklagen.

Anfang März 1945 wurde dann auch das Ompert von einer amerikanische Panzerdivision erobert. Also ganz so spektakulär, wie sich das anhört, war es aber nicht.
Es wurde mir erzählt, dass einen Tag bevor ein amerikanischer Jeep aus der Bötzlöh kommend das Ompert durchfuhr
- was die Vertreibung der Wehrmacht bedeutete - noch sechs deutsche Wehrmachtssoldaten aus gleicher Richtung kommend des Abends im Dewey Hof (heute Siemens) Nachtquartier genommen hätten. Sie waren jedoch am Morgen in aller Frühe wieder aufgebrochen, so dass es im Ompert zu keinerlei Kampfhandlungen gekommen sein soll.

Somit war der Krieg fürs Ompert erstmal ohne größere Sachschäden überstanden.

Es kamen dann einige Flüchtlinge
, zumeist aus dem Osten, die nicht unbedingt willkommen waren. Wer Platz hatte im Haus, musste Raum für Flüchtlinge bereitstellen.
Das war nicht freiwillig und geschah zumeist nur sehr widerwillig.

Solidarisch waren die Omperter nicht mit den Kriegsvertriebenen.

Der Krieg hat vieles im Ompert verändert
, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so auffiel.

Die, die vorher einen armseligen steinigen Acker besaßen, verfügten nun über Sand und Kies, der dringend für den Wiederaufbau benötigt wurde.

Andere erreichten als Flüchtlinge das Ompert, mieteten freie Wohnungen oder heirateten einen Omperter wie meine Mutter.

Aber das ist eine weitere gelebte Geschichte
, die ich noch aufschreiben werde.

 

Wäre schön wenn es noch gute alte Fotos vom Ompert gäbe.
Wer welche hat, bitte mir schicken.
   Kontakt

 

 

In diesem Ententeich vielleicht?



Mein Vater Hans bei seiner Abfahrt in den Krieg.

Schreinerlehre in Viersen bei Aug. Nilles
dann Arbeitsdienst in der Eifel
und ab Ende 1944 als Soldat in Ostpreußen eingesetzt.
 


Foto: Vor dem Gladbacher Bahnhof

Eine der Straßenbahnen die über die Gladbacherstraße
 nach Viersen, Dülken und bis Süchteln fuhren.

Haltestellen für Omperter: Schoenen oder Wolfkull

 

Das Totenbildchen was beim Begräbnis ausgegeben wurde.

 

 

Sturmabzeichen, Eisernes Kreuz, Verwundeten-Abzeichen in Silber
Schwerbehindertenausweis. Das ist nicht das, was der 19 jähriger Hans anstrebte.

 

 

Die Scheune, später Schreinerei Hommes,
hinter dem Wegkreuz oben im Ompert.
Der Anbau wurde von der Stadt erneuert nach der Zerstörung durch eine Bombe.

So schäbig sah es vorne vor dem Bombenabwurf auch aus.

Alles schön in Backstein erneuert, Kriegsgewinnler war Drücke Tant.

 

 

Die Durchfahrt eines Jeeps zeigte die Befreiung oder Besetzung des Ompert an.

 

 
       



 

 

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 Omperter

Erinnerungen

Die 50er + 60er Jahre

 

 

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Omperter
Erinnerungen 
Kuleopa, Sandgrube, Bier

 
- 2  -
Omperter Erinnerungen 
 Hein, Milch, Bulldog

 

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Omperter
Erinnerungen 
 Nach- Kriegszeit, Bombe

 

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 Als Kriegsflüchtling  Erinnerungen

aus Klenz ins Ompert 

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  Die Eisenbahn im Ummer Erinnerungen